manager-magazin.de, 18. Oktober 2006, 08:57 Uhr
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JOBRISIKO

Handeln hilft

Mit dem Stellenabbau kommt die Angst. Doch Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wer an seinem Job hängt, sollte früh aktiv werden und Initiative zeigen, um den eigenen Arbeitsplatz zu sichern. Kluge Strategen wechseln die Perspektive: Sie begreifen ihr Unternehmen nicht als Versorger, sondern als Kunden.

Hamburg - Die schlechte Nachricht vorweg: "Unkündbar kann sich niemand machen", sagt der Psychologe und Karriereberater Jürgen Hesse aus Berlin. Doch sei es möglich, die eigene Position im Unternehmen deutlich zu verbessern. Leicht sei das allerdings nicht. Denn für viele Arbeitnehmer bedeute es einen Perspektivwechsel: das Unternehmen nicht länger als Versorger zu begreifen, sondern als Kunden.

Ohne Garantien: Kein Arbeitsplatz ist sicher
Es genüge nicht, bei der Kundschaft am Tresen oder am Telefon beliebt zu sein, sagt Hesse: "Der Arbeitgeber und die Kollegen sind die wichtigsten Kunden eines Angestellten." Darum empfiehlt er, sich eine gehörige Portion unternehmerisches Denken zuzulegen.

Beispiel Problemlösungskompetenz: Die einen warten auf Anweisungen, die anderen werden aktiv, wenn ein Problem auftaucht. "Ein Problemlöser analysiert die Situation und handelt dann gezielt und entschlossen", verdeutlicht Hesse den kleinen, aber feinen Unterschied. Problemlöser präsentieren Antworten, während andere noch darauf warten, wie Vorgesetzte und Kollegen reagieren.

Unternehmerisch zu denken, bedeute auch, flexibel zu bleiben und die Initiative zu ergreifen: "Mitarbeiter sollten nicht den Fehler machen, von ihrem Job absolute Sicherheit und Kontinuität zu erwarten", warnt Hesse. Wer sich auf Neuerungen einlasse, vielleicht sogar durch Fortbildungen gezielt darauf vorbereite, habe bessere Chancen, im Unternehmen auf Dauer zu bestehen.

Zur vollen Geltung kommen solche Fähigkeiten aber erst, wenn dafür geworben wird: "Wer sich als moderner Dienstleister versteht, der muss seine Zielgruppe von seinen Fähigkeiten überzeugen", betont der Psychologe. Für viele Angestellte fange die Arbeit an der eigenen Zukunftsfähigkeit sogar noch einen Schritt früher an: Sie müssten erst einmal ein positives Bewusstsein für die eigenen Talente und Fähigkeiten entwickeln.

Dabei muss ein Arbeitnehmer gar nicht alle an ihn gestellten Anforderungen sofort und perfekt beherrschen. "Viele Menschen managen das instinktiv", räumt Hesse ein. Sich diese Anforderungen bewusst zu machen, sei jedoch ein wichtiger Schritt zur Sicherung des Jobs.



"Was kann ich, was will ich"

Auf der anderen Seite besteht allerdings das Risiko, des Guten zu viel tun: "Wenn man es übertreibt, kann das nach hinten losgehen", warnt der Coach Axel Janßen aus Hamburg.

[M]DPA; mmde
Der Entlassung vorbeugen: Wer Verantwortung übernimmt, wird flexibler
Die Gefahr bestehe zum Beispiel, wenn Eigenschaften, für die jemand geschätzt wurde, bei der Arbeit am neuen Profil auf der Strecke bleiben. Daher sollten Arbeitnehmer im Auge behalten, was zur Unternehmenskultur und zur Persönlichkeit des Chefs passt. Vor allem aber sollte es der eigenen Persönlichkeit entsprechen.

Letztlich laufe alles darauf hinaus, Selbstführung zu entwickeln, erläutert Janßen. "Das bedeutet, selbst Verantwortung zu übernehmen, statt auf Vorgaben vom Chef zu warten." Dabei komme es nicht darauf an, sich exakt an ein vorgegebenes Profil zu halten. "Wichtiger ist es, das Ohr am Puls der Zeit zu haben: Was wird gerade jetzt von mir erwartet und was kann ich selbst unternehmen?"

Fatal wäre es, die Aktivitäten zur Jobsicherung alleine auf den derzeitigen Arbeitgeber auszurichten. Denn auch der ist vor äußeren Einflüssen nicht geschützt, warnt Janßen: "Wenn zum Beispiel ein Unternehmen aufgekauft wird und die Konzernleitung plötzlich Schwedisch spricht, nützt einem das Netzwerk im eigenen Betrieb eher wenig." Wer ein Netzwerk außerhalb der Firma pflegt, sichert sich besser ab: Über kommunikationsstarke und flexible Problemlöser freuen sich auch andere Chefs.

"Kein Weg scheint sinnvoll, bei dem man sich nur von anderen abhängig macht", bestätigt Longa Dressler. Die Karriereberaterin rät dazu, auf die eigene Stimme zu hören: "Wer bin ich, was kann ich und was will ich tun?" Die Herausforderung bestehe darin, Leidenschaft und Verantwortungsgefühl für die eigene Arbeit zu entwickeln. Und zu entdecken, für welche Aufgaben man überhaupt Leidenschaft aufbringen kann. Das sei der wichtigste Beitrag zur Sicherung des Jobs.

Jörg Wiebking, dpa



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